Argumente

Argumente

Die Initiative für eine naturverträgliche und ethische Jagd unterstellt der heutigen Jagd, dass sie umweltschädigend und barbarisch sei. Das ist schlichtweg falsch. Die heutige Bündner Jagd entspricht hohen ökologischen, wildbiologischen, tierschützerischen und sozioökonomischen Anforderungen. 

Die Initiative ist überholt und zielt in eine falsche Richtung:

  • Sie schwächt die Jagd
  • Sie schwächt den Tierschutz
  • Sie schwächt den Wald und die Biodiversität
  • Sie schwächt die Anerkennung und Wertschätzung der Jagd in der Bevölkerung

 

Die 9 Initiativpunkte und unsere Argumente dagegen im Detail:
1. Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen sind generell zu schützen

Die Regulation des Wildbestandes funktioniert nur über den weiblichen, also produzierenden Teil der Population, und mittels Eingriffen in die Jugendklasse. 

Die Forderung käme einem ganzheitlichen Schutz gleich. Denn wie soll festgestellt werden, ob ein weibliches Tier trächtig ist? Abgesehen davon fällt es den Jägern nicht leicht Jungtiere zu jagen. Um einer Überpopulation und möglichem Wintersterben entgegenzuwirken, ist es dennoch nötig. 

Überdies widerspricht diese Forderung dem Bundesgesetz. Denn dieses verpflichtet die Kantone zu einer Jagdplanung, die eine artgemässe Verteilung der Alters- und Geschlechterklassen gewährleistet und eine gute Kondition der Tiere zum Ziel hat.

2. Fallen zum Töten und das Anfüttern von Tieren sind zu verbieten
 

Für die Fallenjagd ist von Gesetzes wegen nur die Kastenfalle erlaubt. Die Handhabung ist geregelt. Kastenfallen werden selbst vom Tierschutz eingesetzt bspw. für das Einfangen von Katzen zwecks Kastration.

Das Füttern von Wildtieren ist heute bereits verboten. Auch das Anlocken von Huftieren (= Kirren) ist laut Jagbetriebsvorschriften verboten. Eine Ausnahme bildet die Lenkungsfütterung in ausserordentlichen Wintersituationen, um die Tiere in ihrem ungestörten Lebensraum ausserhalb der Gefahrenzone Strasse und Siedlungen zu halten.  

Was mit Vorschriften praktiziert wird, ist das Anlocken von Füchsen und Mardern auf der Passjagd. Dies ist nötig, um die Bestände lokal zu regulieren und vor allem, um Krankheiten und Seuchenzüge zu verhindern. 

3. Alle nicht im Bundesrecht geschützten Vögel sind nicht jagdbar

Das Kantonale Jagdgesetz Graubünden (KJG) will Arten nutzen und schützen. Wer Interesse an der Nutzung hat, schützt die Arten auch (Stakeholderprinzip). So pflegen Jäger Wasserbiotope (zB. Muntè in Thusis), schaffen Ruhezonen für Rauhfusshühner (Schneehuhn, Birkhuhn), zählen die Bestände, verbessern die Lebensräume usw. 

Mit der Jagdplanung im Kanton Graubünden kann nachgewiesen werden, dass die Jagd auf Vögel wie Birkhahn und Schneehuhn dem Bestand nicht schadet. Indem die Jagdbeute untersucht wird, können wichtige Erkenntnisse wie über die Art gewonnen werden, wie Fragmentierung der Lebensräume, Genetik etc.

Die eigentliche Gefährdung dieser Arten führt von anderen Faktoren her, nicht von der Jagd. Es sind dies vorwiegend Störungen durch Wintersportler. Erhebungen und Zahlen, die dies belegen fehlen uns heute allerdings. Einziger «Beweis» sind die toten Tiere, die die Wildhüter – wenn überhaupt – auffinden. 

4. Generelle Winterruhe für alle Wildtiere vom 1. November bis zum Beginn Hochjagd

Huftiere stellen um den kürzesten Tag (21. Dezember) ihren Stoffwechsel um. Dies belegen Arbeiten der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Überdies bezeichnet der österreichische Tierethiker Rudolf Winkelmayer die Jagd auf Huftiere in unseren Breitengraden bis zum 20. Dezember als ethisch vertretbar.

Zudem zeigen die Abschusszahlen der vergangenen Jahre, dass die Regulierung des Wildbestandes innerhalb der regulären Jagdzeit nicht erfüllt werden kann. Denn zum Teil sind die Hirsche während der regulären Jagdzeit noch nicht in unseren Gebieten, sondern im Ausland oder im Nationalpark. Die Sonderjagd hat sich als ergänzende Massnahme bewährt. 

Um diese Forderung konsequent umzusetzen, müssten auch Störungen durch Wintersportler verhindert werden können. 

5. Im Amt für Jagd und Fischerei, sowie in der Jagdkommission müssen Tierschützer/Jäger sowie Nichtjäger paritätisch vertreten sein

Die Qualifikation der jeweiligen Personen sollte entscheidend sein. Überdies liegt die Stellenbesetzung in der Kompetenz der Regierung.

In der Jagdkommission sind bereits heute alle Interessensgruppen vertreten.

6. Bei der Ausübung der Jagd gelten die Blutalkoholgrenzen gemäss der Strassenverkehrsgesetzgebung    

Eine Regulierung in dieser Form halten wir nicht für angebracht. Die Jäger sind sich ihrer Verantwortung und den Konsequenzen, die ein Unfall unter Alkoholeinfluss mit sich bringt, bewusst. 

7. Die Jagdeignung und Treffsicherheit sind periodisch zu überprüfen (analog zur Fahreignung im Strassenverkehr). Ab 2020 (mit einer Übergangsfrist von einem Jahr) darf nur bleifreie Munition verwendet werden 

Die Jagdeignung, zu der unter anderem das Bestehen der Jagdprüfung zählt, ist heute so definiert:

•    Jede(r), welche(r) die in Art. 36 Abs. 1 KJG festgehaltenen Anforderungen erfüllt, ist zur Jagdprüfung zugelassen.
•    Jede(r), welche(r) die in Art. 5 Abs. 1, 2 KJG vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt, ist berechtigt, ein Jagdpatent zu beziehen und die Jagd auszuüben.

Die Überprüfung der Treffsicherheit wird bereits umgesetzt: Neu kann nur dann ein Jagdpatent gelöst werden, wenn der amtliche Schiessnachweis vorliegt und damit das gesetzlich festgelegte Mindestresultat erfüllt worden ist.

8. Kinder bis 12 dürfen nicht mit auf die Jagd und schulisch nicht zur Jagd motiviert werden    

Es liegt in der Verantwortung der Eltern ob und ab wann ein Kind mit auf die Jagd darf. 

In der Schule werden die Kinder heute in die Jagd miteinbezogen, wenn es um die allgemeine und praxisnahe Naturkunde-Ausbildung geht mit Waldtagen, Natur- und Tierbeobachtungen. Zum Sach- und Naturkundeunterricht gehört auch die Bündner Jagd mit den jagdbaren und geschützten Wildtieren. Die Kinder werden dadurch nicht zur Jagd motiviert – die Lerninhalte gehören zur Allgemeinbildung. 

9. Bei allen ausserordentlichen Schäden kann die Wildhut nur dann Regulierungen vornehmen, wenn alle anderen erdenklichen Schutzmassnahmen nicht zielführend sind

Was gilt als ausserordentlicher Schaden? Die Folge wäre, dass sich Land- und Forstwirtschaft mit Einzäunungen und ähnlichen Massnahmen behülfen, was den Lebensraum der Wildtiere einschränken und sie aus der Kulturlandschaft ausschliessen würde. 

Es entstünde ein Teufelskreis. Denn Zäune bedeuten Lebensraumverlust und erhöhen dadurch die Konzentrationen und Schäden im verbleibenden Lebensraum.

Die Regulierung über die Wildhut würde einen immensen Aufwand mit sich bringen und stünde finanziell in keinem vernünftigen Verhältnis. 

 

HIER geht's zur Zusammenfassung der Argumenten gegen die Initiative


Aus all diesen Gründen: NEIN zur Initiative für eine naturverträgliche und ethische Jagd!